Danke für 38 Jahre bei der Lebenshilfe Wetzlar-Weilburg

Heidrun Schneider in den Ruhestand verabschiedet

Wenn man 38 Jahre für ein und denselben Arbeitgeber tätig ist, gibt es viel zu erzählen. Viele Erinnerungen werden wach. Und wenn diese Zeit zu Ende geht, heißt es vor allem, Danke zu sagen. Die Lebenshilfe Wetzlar-Weilburg e. V. hat vergangene Woche in einer bewegenden Feierstunde ihre langjährige Vorsitzende, Heidrun Schneider, in den Ruhestand verabschiedet. Ein buntes Programm mit vielen Überraschungen sorgte für Lacher, aber auch für Tränen unter den rund 90 Gästen an diesem Mittwochnachmittag. Wetzlars Oberbürgermeister Manfred Wagner sowie Klaus Schreiner vom Kreisausschuss des Lahn-Dill-Kreises sprachen Grußworte und würdigten Heidrun Schneider für ihre Arbeit und ihr Engagement.

Rückblick: Nach einer Erzieherinnen-Ausbildung in Gießen und zwei Jahren als Erzieherin in einem Kinderheim in Butzbach, sieht die junge Frau ihr berufliches Ziel vor Augen. Sie beschließt daher, in Frankfurt am Main Sozialpädagogik zu studieren. Wegen der Geburt ihres Sohnes Frederik hängt sie ein Semester hinten dran. Schon kurz nach ihrem Abschluss bekommt sie eine Stelle: Am 1. Mai 1980 wird sie bei der Lebenshilfe Leiterin des Wetzlarer Kinderzentrums in der Röntgenstraße.

Mit dem Thema Behinderung ist sie bis dato beruflich nicht konfrontiert worden. Doch der Blick für die Menschen mit Behinderung der Gesellschaft war und ist ihr stets ein Herzensanliegen.

Von 1980 bis 1993 ist Schneider Leiterin des Kinderzentrums. In atemberaubendem Tempo geht sie neue Wege, immer angetrieben von Neugier und Tatendrang: „Es war eine Zeit, da konnte man mit einer Idee andere gewinnen und schnell etwas vorantreiben. Anfang der 1980er Jahre haben Mütter Bedenken, ihre Kinder mit Behinderung wegzugeben, einem anderen Menschen anzuvertrauen. Immer wieder wirbt Schneider für die Einrichtungen der Lebenshilfe und ermutigt die Frauen, loszulassen. „Wir haben unzählige Hausbesuche gemacht, um die Anliegen und Wünsche der Eltern zu erkennen und zu verstehen.
Erste Erfolge stellen sich ein: Bei der Lebenshilfe Wetzlar-Weilburg wird die Heilpädagogik zur alltäglichen Praxis. Schritt für Schritt werden neue Angebote für Familien geschaffen:
Die heilpädagogische Kindertagesstätte öffnet sich für Kinder ohne Behinderung und es entsteht eine integrative Einrichtung. Die Frühförderung wird aufgebaut um für Säuglinge und Kleinkinder mit Behinderung bessere Förderung und Entwicklungschancen zu ermöglichen und die Eltern zu beraten und zu unterstützen. Der familienentlastende Dienst hilft vielen Familien in besonderen Belastungssituationen. Es ist die Zeit der Pioniere und Visionäre bei der Lebenshilfe. Noch gibt es nur einen ehrenamtlichen Vorstand. „Die Wege, die wir gehen wollten, mussten wir uns selbst bahnen.“ Viele gute Einrichtungen und Dienstleistungsangebote sind hierdurch entstanden.

Nach 13 Jahren im Kinderzentrum hat Schneider viel erreicht. Doch es warten größere Herausforderungen. Im Jahr 1993 wird die Pädagogin stellvertretende Geschäftsführerin der Lebenshilfe Wetzlar-Weilburg und bleibt es bis 2004. Jetzt gilt es, Verantwortung für die komplette Vereinigung mit zu übernehmen und das Ganze im Blick zu haben. Als Vorbild hilft ihr die Philosophie der italienischen Heilpädagogik: „Ein Satz hat mich immer inspiriert: ´Das Auge schläft, bis es der Geist mit einer Frage weckt. “ Schneider orientiert sich in ihrer Arbeit daran: „Familien waren für mich immer Mittel- und Ausgangspunkt bei der Frage: Was brauchen und wollen Menschen mit Behinderung?“

2004 ändert die Lebenshilfe ihre Führungsstruktur: Es gibt jetzt zwei gleichberechtigte Geschäftsführer. Heidrun Schneider mit dem Schwerpunkt Pädagogik und Berthold Ehling, verantwortlich für den betriebswirtschaftlichen Teil. 2015 wird aus dem Geschäftsführer-Modell ein hauptamtlicher Vorstand – mit dabei: Heidrun Schneider. Heute sind es beinahe vier Jahrzehnte, in denen sie die Geschicke der Lebenshilfe Wetzlar-Weilburg maßgeblich und entscheidend mitgestaltet hat – vom Aufbau der Frühförderung über ein neues Kinderzentrum in Weilburg, einen Schulbegleitenden Dienst für Kinder, die mit Assistenz eine Regelschule besuchen, ein Autismuszentrum, die Peter-Härtling-Schule, eine Grundschule mit einem sehr guten Schulkonzept bis hin zu weiteren vielschichtigen Angeboten für Kinder mit und ohne Behinderung.

An viele dieser Stationen in der Arbeit von Heidrun Schneider wurde bei der Feierstunde noch einmal erinnert. Viele Weggefährten, Mitarbeiter und Beteiligte, unter anderem die Lebenshilfe-Band „Mixed Pickles“, sorgten für einen würdigen Abschied der Vorsitzenden der Lebenshilfe Wetzlar-Weilburg.  

Fragt man Heidrun Schneider nach ihrer persönlichen Bilanz, sagt sie: „Es hat sich jeden Tag gelohnt, diese Arbeit zu machen. Wir haben gemeinsam viel aufgebaut und entwickelt. Meine Nachfolge ist gut geregelt und deshalb kann ich die Verantwortung und die Aufgaben mit gutem Gefühl weitergeben.“ Und sie ergänzt:

„Ich habe jeden Tag einen Sinn in meiner Arbeit gesehen.“

Bericht: Markus Becker

TheatReale ein Theaterprojekt mit Schülern der Goetheschule Wetzlar und Menschen mit Behinderung von der Lebenshilfe Wetzlar-Weilburg e. V. unter der Leitung von Karin Burk anlässlich der Verabschiedung von Heidrun Schneider