Mitgliederversammlung 2018

Tradition bewahren und Neues wagen

 

 

„Tradition bewahren und Neues wagen“

Von Markus Becker

Die Mitgliederversammlung am 10. November in der Werkstatt der Florentine war eine ganz Besondere: Zum einen war es die letzte in der Amtszeit der Vorständin Heidrun Schneider. Sie geht Ende des Jahres in den Ruhestand. Und es war gleichzeitig die Erste des Vorstandsvorsitzenden Thomas Bauer. Der Führungswechsel, der bereits mit dem Abschied von Vorstandsmitglied Werner Heimberg Mitte des Jahres begann, wird konkreter. Davon konnten sich auch die geladenen Vereinsmitglieder überzeugen.

Auch Martina Winter, Aufsichtsratsvorsitzende, die die Versammlung moderierte, ging in ihrem Bericht auf die Veränderungen ein. Der Aufsichtsrat habe im vergangenen Jahr sehr oft getagt, schon alleine wegen der Suche nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden. „Wie finden wir einen guten Nachfolger und was für einen Menschen suchen wir?“, waren die bestimmenden Fragen zu Beginn dieses Jahres. Mit Thomas Bauer habe man eine gute Lösung gefunden. Dies habe sich bereits gezeigt, als er vor seinem Amtsantritt viele Feste und Veranstaltungen der Lebenshilfe besucht habe. „Noch bevor er bei uns angefangen hat, war er schon da“, lobte Winter. Lob gab es von ihr auch für Werner Heimberg, und die Mitglieder bedankten sich bei ihrem jetzt ehemaligen Vorstandsmitglied mit viel Applaus.

Still wurde es, als Heidrun Schneider ans Mikrofon trat. Zwischenzeitlich merkte man, wie schwer ihr der Abschied nach 38 Jahren bei der Lebenshilfe fällt. Aber sie betonte auch, dass sie „der Lebenshilfe immer verbunden“ bleibe. In der letzten Rede ihrer Amtszeit ging sie auf die Entwicklung der Mitglieder- und der Betreuungszahlen ein. Mit 1429 sei man „leider unter die Marke von 1500 gesunken“. Neue Mitglieder sollen geworben werden. Es geht um die Zukunft der Lebenshilfe und um die Beteiligung und Stärkung der Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen. Im Kinderbereich wird hierzu mit einem Projekt gestartet.

Schneider dankte dem Förderkreis für sein Engagement, namentlich Stephan Hofmann.
Erfolgreich sei man mit Anträgen bei „Aktion Mensch“ gewesen. In diesem Zusammenhang sei besonders das neue Projekt der Peer-Unterstützung hervorzuheben. Hier werden Menschen mit Behinderung geschult, um Experten in eigener Sache zu werden und um dann andere Menschen mit Beeinträchtigungen unterstützen und beraten zu können.

Schneiders Nachfolger Thomas Bauer stellte sich in seiner Rede zunächst kurz den Mitgliedern vor. Der Tag seiner ersten Mitgliederversammlung sei sein 102. Tag als Vorsitzender. „Ich habe keine Notwendigkeit gesehen, alles sofort umzukrempeln. Denn die Lebenshilfe ist gut aufgestellt. Ich war mit Frau Schneider und den anderen Vorstandsmitgliedern gleich auf einer Wellenlänge und ich werde den Weg fortsetzen. Das Wohl des Menschen mit Behinderung steht dabei im Mittelpunkt“, erklärte Bauer.
Allerdings kommt auf Bauer zunächst noch eine zusätzliche Aufgabe zu. Durch den Weggang des Vorstandes für den Bereich Arbeit, Markus Liebendörfer, der Mitte Dezember in seine alte Heimat nach Baden-Württemberg zurück geht, werde Bauer diese Stelle zusätzlich kommissarisch leiten. „Ich bedaure sehr, dass Herr Liebendörfer uns verlässt. Aber private Entscheidungen sind zu respektieren.“

Einen positiven Finanzbericht legte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Thorsten Pauli vor.  Fazit: „Die Zahlungsfähigkeit der Lebenshilfe Wetzlar-Weilburg war jederzeit sichergestellt. Der Jahresabschluss zum 31. Dezember 2017 schließt mit einem höheren Jahresüberschuss als im Vorjahr. Somit habe man ein besseres Ergebnis erzielt. Die Bilanzsumme beläuft sich auf 35 Millionen Euro. Aus den Überschüssen werden nun Rücklagen gebildet, da es in den Jahren 2018 und 2019 keine Erhöhung der Kostensätze seitens des Landeswohlfahrtsverbandes geben wird. Gleichzeitig steigen die Personalkosten nach dem Tarifvertrag deutlich an.

Unter Punkt 9 gab es ein Novum bei der Lebenshilfe. Erstmals wurden Mitglieder bei der Jahresversammlung für Ihre Treue geehrt – eine neue Ehrungsordnung regelt das Prozedere.
Für 25 Jahre Treue wurden Ingrid Koch, Dieter Emmelius, Dorothea Rotsch-Würz, Helmut Würz und Ulrich Heinz geehrt.
Für 50 Jahre wurden Henni Keuser und Gerd Scharfscheer geehrt.

Foto mit Bildunterschrift: von links Martina Winter, Ingrid Koch, Dorothea Rotsch-Würz, Helmut Würz, Dieter Emmelius, Ulrich Heinz, Gerd Scharfscheer, Henni Keuser, Sabine Kracht

Vor dem gemütlichen Teil mit Kaffee und Kuchen wurde der Aufsichtsrat von den Mitgliedern noch entlastet. Und auch das Thema Zukunft spielte in einem weiteren Redebeitrag von Thomas Bauer eine Rolle. Der 40-Jährige verwies darauf, dass sich das gesellschaftliche und politische Umfeld verändert habe. Es gebe ein Abdriften in der politischen Diskussion und man höre wieder Stimmen wie „die einen gehören zur Gesellschaft, die anderen nicht“. Die Lebenshilfe müsse daher ein klares Zeichen setzen. „Die Existenz von bestimmten Gruppen in der Gesellschaft darf nicht wieder in Frage gestellt werden. Vielmehr geht es darum, menschlich zu sein“, appellierte Bauer. Und auch bezüglich des Bundesteilhabegesetzes gab Bauer die Richtung vor, wie er mit den Leistungsträgern ins Gespräch kommen will. „Der Leistungsträger will künftig sagen, was für den Mensch mit Behinderung gut ist und wir sollen Dienstleister sein. Die Lebenshilfe ist aber mehr als ein Dienstleister. Nähe, Beziehung und Vertrauen zeichnen die Arbeit aus und vor allem der Einbezug der Menschen, die wir begleiten und deren Angehörige. Nur im Dialog aller Beteiligten kommen wir zu der passenden Unterstützung. Der Mensch muss im Zentrum stehen. Das ist unsere Haltung und das treibt uns an.“ Es gelte, auch als Verein mit den Veränderungen umzugehen. „Wir müssen Tradition wahren, sollten aber auch Neues wagen“, erklärte Bauer mit Blick in die Zukunft.

Bildunterschrift von links: Martina Winter, Ingrid Koch, Dorothea Rotsch-Würz, Helmut Würz, Dieter Emmelius, Ulrich Heinz, Gerd Scharfscheer, Henni Keuser, Sabine Kracht