Mit Kreativität und Optimismus in Corona-Zeiten

Die Corona-Pandemie hält auch unsere Lebenshilfe fest im Griff. Der Alltagsbetrieb ist stark eingeschränkt, Videokonferenzen ersetzen Sitzungen, Abstandsregeln dominieren das Verhalten jedes Einzelnen. Viele Menschen lassen sich jedoch nicht unterkriegen und in dieser Krise werden auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Helden des Alltags – mit Kreativität, Durchhaltevermögen und gesundem Optimismus. Im Folgenden einige Beispiele:

 

Im Autismuszentrum liegt Therapiehund Rosi vor den zu verschickenden Paket-Materialien. Foto: Autismuszentrum

Kegeln im Freien gehört zum Freizeitprogramm der Offenen Hilfen im Wohnhaus Dalheim. Foto: Zefack

Peter-Härtling-Schule
Homeschooling stellt Eltern, Schüler und Lehrer vor ganz neue Herausforderungen. Auch die Schulgemeinde der Peter-Härtling-Schule muss sich dieser Situation stellen. Die Lehrerschaft betreut ihre Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern nun täglich via Internet, Post und Telefon. Natürlich arbeitet die Schule auch im „Unterricht auf Distanz“, nach ihrem Konzept – individuell. Jedes Kind erhält eigens für seinen Lernstand aufbereitetes Material über E-Mail, Seafile (Internet-Plattform) oder per Post. Die Bearbeitung wird dann eng von den Lehrerinnen begleitet und die Eltern sowie die Kinder werden auf diese Weise unterstützt. Die Familien erhalten neben den klassischen Materialien in Deutsch und Mathematik weitere Anregungen, um gemeinsam kreativ zu werden oder zu musizieren. Es werden darüber hinaus auch Angebote gemacht, die Motorik und Wahrnehmung schulen. Sogar der Sportunterricht wird nicht vergessen. Mit entsprechenden Videos werden die Kinder motiviert, sich zu bewegen. So bleibt der Lernalltag auch Zuhause abwechslungs- und lehrreich.
Die Familien verstehen das Engagement der Lehrkräfte als Angebot, das sie entsprechend ihrer persönlichen Situation und Möglichkeiten gerne annehmen. Dies zeigt sich nicht nur an der Rückmeldung über bearbeitete Lerninhalte der Kinder, sondern auch an Briefen, Postkarten und E-Mails, die zwischen Lehrerinnen und Schülerschaft ausgetauscht werden. Die Schulgemeinde hält Abstand zueinander und unterstützt sich dennoch gegenseitig in der Hoffnung, bald wieder gemeinsam lernen zu können – nach dem Motto: »Wir schaffen das zusammen!«

 
Autismuszentrum
Die durch Covid-19 entstandenen notwendigen Maßnahmen bedeuten Einschnitte und Veränderungen in nahezu allen Bereichen des täglichen Lebens. Dies stellt alle vor Herausforderungen, bedeutet für autistische Menschen aber noch deutlich mehr. Umso wichtiger ist es für unsere Arbeit im Autismuszentrum, die Hilfen und Förderangebote auch und vor allem in dieser schweren Zeit aufrechtzuerhalten. Seit Mitte März versenden wir daher Pakete an unsere Klient*Innen, sowie deren Familien, um unterstützend tätig sein zu können. Jedes unserer Pakete wird individuell gepackt und an die Bedürfnisse sowie den Entwicklungsstand unserer Klient*Innen angepasst. Wir sind über Telefon oder Mail für unsere Klient*Innen und Eltern erreichbar und stehen ihnen in dieser Zeit unterstützend zur Seite.
In unseren Paketen befinden sich beispielweise Angebote zur Sprachförderung, wie Kniereiter, Kinderbücher und Geschichtensäckchen, zur Wahrnehmungsförderung oder Mal- und Bastelangebote zur Förderung der motorischen Fähigkeiten. Wir liefern Beschäftigungsvorschläge und Fördermaterialien, die für die Eltern leicht in den Alltag eingebaut werden können, wie Koch- und Backrezepte, Experimente oder Spiele zur Förderung der sozialen Interaktion.
Für Jugendliche und junge Erwachsene steht die Bewältigung des Alltags und der Umgang mit der Krise im Mittelpunkt. Auch der Inhalt der Pakete für Jugendliche und junge Erwachsene baut auf den individuellen Inhalten der Förderungen auf.

Offene Hilfen
Der Fachdienst Offene Hilfen reagiert mit kreativen Maßnahmen in der Corona-Krise. »Wir bieten in der Wohneinrichtung Dalheim ein abwechslungsreiches Freizeitprogramm an. Jeden Nachmittag von montags bis freitags gibt es einen besonderen Programmpunkt«, erzählt Rebekka Zefack, die gemeinsam mit Melanie Schönberger aus der Wetzlarer Werkstatt in der Friedenstraße das Programm anbietet. In gemeinsamen Sitzungen äußern die Bewohnerinnen und Bewohner Wünsche, die dann erfüllt werden können. Das Freizeitangebot reicht von Tischtennisspielen, über Kegeln im Garten bis hin zum Basteln und Backen. »Manchmal bringe ich auch meine Gitarre mit und wir singen gemeinsam«, so Rebekka Zefack weiter. Die Teilnahme am Freizeitangebot ist freiwillig.

Berufsbildungszentrum
Im Berufsbildungszentrum erfolgen die Schulungen auch auf dem Postweg. »Das Material, das verschickt wird, ist mit den Bedürfnissen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer abgestimmt. Einmal pro Woche erhalten sie Post. Die Unterlagen sind thematisch auf ein Modul bezogen, wie zum Beispiel Hauswirtschaft oder Elektronik. Auch Arbeitsblätter mit zu lernenden Arbeitssicherheitsmaßnahmen sind darin enthalten«, sagt Frank Spelkus aus dem Berufsbildungszentrum. Zudem herrscht regelmäßiger telefonischer Kontakt mit den Eltern, um abzuklären, wie das Angebot angenommen wurde.

Werkstätten
Seit 23. März gilt auch für die Werkstätten ein Betretungsverbot für Menschen mit Behinderung. Teilweise unterstützt das Personal nun den gestiegenen Bedarf an Betreuungsarbeit in den Wohnhäusern. Teilweise werden aber auch noch Aufträge in den Werkstätten bearbeitet. Kleinere Montagearbeiten sind in die Wohnhäuser ausgelagert und werden dort von Bewohnerinnen und Bewohnern erledigt.

Tagesförderstätten
In den Tagesförderstätten wird eine Notbetreuung aufrechterhalten. »Wir versuchen, ein Stück weit Normalität und eine abwechslungsreiche Tagesstruktur anzubieten. Momentan haben wir fünf zu betreuende Mitarbeiter bei uns«, erzählt Thomas Böhm, Leiter der Tafö in Wetzlar. Das Angebot ist breit gefächert. Es wird gemeinsam gefrühstückt und mittags gekocht. »Wir gehen viel in Eins-zu-Eins-Situation spazieren oder begrünen unseren Freisitz. In Kooperation mit der Werkstatt in Löhnberg übernehmen wir aber auch Montagearbeiten von Kleinteilen. Einen unserer Gruppenräume haben wir daher zu einem Arbeitsraum umfunktioniert«, ergänzt Thomas Böhm.
In der Tafö Braunfels werden aktuell drei Personen betreut. »Uns gelingt es gut, die Herausforderung zu meistern. Wir gestalten den Tag mit Werkstattarbeiten, Basteln, Backen, Spaziergängen und der Gestaltung unserer Blumenbeete. Erfreulich ist das kollegiale Miteinander mit der Werkstatt«, erzählt Tafö-Leiter Matthias Kloos.
 
Kinder- und Familienzentrum Weilburg
Im Kinder- und Familienzentrum Weilburg gibt es ebenfalls eine Notbetreuung. Eltern nehmen das Angebot dankend an. Darüber hinaus wird per Telefon Kontakt gehalten und wöchentlich erhalten die Kinder Überraschungspost per persönlichem Postbote. Dies sind Spiele, Lieder, Samenbomben und sogar ein selbstgenähter Mundschutz und vieles mehr. Zudem werden auch individuelle Dinge wie zum Beispiel Tischspiele und Massagematerialien zu einzelnen Kindern gebracht. »Oft rufen Kinder auch von sich aus an«, erzählt Leiterin Antje Stahl. Wöchentlich geht zudem ein Newsletter per Mail an die Familien. Darüber hinaus wird die Zeit genutzt, um zum Beispiel eine neue Konzeption fertigzustellen. »Was liegen geblieben ist, kann jetzt aufgearbeitet werden. Aber eines ist auch klar: »Uns fehlen die Kinder«, so Antje Stahl weiter.

Kinder- und Familienzentrum Wetzlar
Anfang März reagierten wir frühzeitig und sagten alle Gruppen-Angebote des Familienzentrums ab, um die Ausbreitung des Coronavirus möglichst zu reduzieren. Dies zu kompensieren, war ein erstes und wichtiges Anliegen von Susanne Theisges (Fachkraft Frühe Hilfen) Angelika Möller (Leitung Familienzentrum). Denn gerade in der aktuellen Situation stehen Familien vor besonderen Herausforderungen, ausgelöst durch das Corona-Virus. Aber wir, vom Familienzentrum sind auch weiterhin direkt für unsere Familien da. Das Angebot einer Gesprächsmöglichkeit per Telefon oder Videochat wurde erweitert und bietet den Familien die Möglichkeit, sich jederzeit in Ruhe mit uns auszutauschen.
Familien wurden und werden angemailt, um Wünsche und Bedarfe zu erfragen. Sie erhielten und erhalten Spiel- und Bastelanregungen, Lieder, Kniereiter- und Fingerspiele und es war und ist natürlich Zeit, sich über die familiäre Situation auszutauschen. Es besteht auch die Möglichkeit, dass Eltern sich vor Ort im Familienzentrum vorbereitete Materialien für kreative Angebote abholen.
Aktuell bieten wir für Eltern auch den Workshop »Erzähl doch mal...« an. Wir nehmen uns Zeit für ihre Themen und sie haben die Möglichkeit mit uns zu sprechen: direkt, per Telefon oder per Videogespräch. Neu ist ein Online-Treff mit Anmeldung. Dort gibt es Ideen für gemeinsame Spiele mit Ihrem Baby oder Kleinkind. Neu ist auch der Kurs „Bewegung macht fit fürs Leben" als Online-Angebot.

Frühe Hilfen
Die Willkommensbesuche der Frühen Hilfen nach dem Rahmenkonzept: »Frühe Hilfen in der Stadt Wetzlar – Gemeinsam unterwegs« sollen nun in angepasster Form weiterlaufen. Im Qualitätsdialog des Jugendamtes, an dem alle Fachkräfte der Kooperationspartner, wie wir als Lebenshilfe und weiterer Träger teilnehmen, wird gemeinsam an der Anpassung und vielen anderen Themen über Mail, Telefon und Videokonferenzen gearbeitet. Wir planen bereits weitere schöne und spannende Angebote für unsere Familien.
Wir freuen uns schon sehr auf die Zeit, wenn Gruppenaktivitäten wieder stattfinden dürfen und wir uns wieder persönlich um die Familien kümmern können.

Kindertagesstätte Wetzlar
In der Kindertagesstätte Wetzlar werden ebenfalls einige Kinder in einer Notbetreuung beschäftigt. Auch werden Materialien per Post verschickt. »Zusätzlich haben wir täglich zwischen 9 und 14.30 Uhr vor unserem Eingang einen Wagen stehen, an dem Malblätter, Rätselhefte oder Bücher abgeholt werden können«, erzählt Isabell Rußmann, stellvertretende Leiterin. Da das Essen momentan nicht von der Werkstatt Florentine geliefert wird, wird vor Ort für die Kinder gekocht. »Auch das wird von den Kleinen sehr gut angenommen«, so Isabell Rußmann weiter.  

Frühförderung
Per Postweg halten auch die Frühförderstellen in Wetzlar und Weilburg Kontakt zu Eltern und Kindern. »Unsere Mitarbeiter sind sehr findig und denken sich zum Beispiel Bastelarbeiten für Zuhause aus«, sagt Leiterin Gertrud Bader aus Weilburg. Auch telefonisch gibt es einen Austausch, um den Förderprozess weiterzuentwickeln. In großen Umschlägen bekommen die Kinder ihre Aufgaben zugeschickt. Das Telefonat bietet zusätzlich die Gelegenheit, zu besprechen, wie das Angebot angenommen wird. So ist es möglich, individuell auf die Rückmeldungen und Anforderungen der Kinder zu reagieren. »Alle Familien nutzen dieses Angebot derzeit«, erzählt Melanie Ott, Leiterin der Frühförderung in Wetzlar.