"Fußball stärkt Menschen mit Behinderung"

Was der Besuch des DFB-Präsidenten Grindel beim FC Schöffengrund mit Inklusion zu tun hat

 

 

 


Von Markus Becker

Diesen Sonntagnachmittag wird Michael Delli Castelli so schnell nicht vergessen: Zur besten Kaffeezeit fährt eine Limousine des Deutschen Fußball Bundes auf das Sportgeländes des FC Schöffengrund in Schwalbach. Der DFB-Präsident persönlich, Reinhard Grindel, steigt aus und schüttelt dem 2. Vorsitzenden des Vereins zur Begrüßung die Hand. Grindel ist tatsächlich der Einladung Delli Castellis gefolgt und in den Lahn-Dill-Kreis gekommen. Der Schwalbacher hatte dem Chef des weltweit größten Sportverbands im Sommer letzten Jahres einen emotionalen Brief geschrieben und ihm darin von den Sorgen des FC Schöffengrund erzählt. Die Sportanlagen seien mittlerweile in einem so schlechten Zustand, dass dem Club der Nachwuchs wegliefe und es um die Existenz des Vereins gehe. Grindel, der in offiziellen DFB-Mitteilungsorganen gerne die gute Fußball-Infrastruktur in Deutschland lobt, solle sich doch mal selbst ein Bild von der traurigen Realität in Schwalbach machen.
Und tatsächlich: Grindel kommt Anfang Februar an die Fußball-Basis und hört zu. Der hohe Besuch aus Frankfurt am Main beim FC Schöffengrund zeigt beispielhaft, wie wichtig Eigeninitiative, Mut und der Blick für Schwächere für eine Gesellschaft sind und dass es sich lohnt, die Ärmel hoch zu krempeln. Bei dem Termin wird schnell klar: Hier geht es um mehr, als nur um Fußballspielen. Es geht auch um Inklusion.

Michael Delli Castelli ist leidenschaftlicher Fußballfan, 2. Vorsitzender und auch Jugendtrainer des FC Schöffengrund. Und er ist auch Mitarbeiter der Lebenshilfe Wetzlar-Weilburg. Er leitet auf der Florentine in Braunfels die Service-Gruppe und kümmert sich mit seinen Kollegen um Reparaturen und Instandhaltung. Den FC Schöffengrund und die Lebenshilfe wiederum verbindet eine starke Partnerschaft. Seit etwa drei Jahren waschen Mitarbeiter der Lebenshilfe Wetzlar-Weilburg auf der Florentine die Trikotsätze des FC Schöffengrund. "Für uns Eltern, Kinder und den Verein ist dies eine super Sache. Mit diesem sozialen Projekt finanzieren wir aber auch einen Teil der Löhne der Mitarbeiter, die in der Service-Gruppe Werkstatt bei der Florentine arbeiten", so Delli Castelli. Beide Seiten profitieren davon.
Darüber hinaus darf der Verein einmal im Jahr auf dem Gelände der Florentine Braunfels den schönen Sportplatz für ein Trainingslager nutzen. "Wir werden vor Ort immer freundlich empfangen und unsere Kinder machen erste Erfahrungen mit Menschen mit Behinderung", erzählt Delli Castelli weiter.

Für den FC Schöffengrund, der Anfang 2018 nur für den Jugendbereich gegründet wurde, geht es mittlerweile ums Überleben. "Wir sind eine der letzten Gemeinden im Lahn-Dill-Kreis, die noch immer keine Kunstrasenanlage hat. Wenn wir unseren Aktiven als einzige Alternative zu unseren teilweise in bedenklichem Zustand befindlichen Rasenplätzen nur den Hartplatz zwischen Schwalbach und Niederquembach anbieten können, dann laufen uns die Kinder, aber auch die Senioren weg", befürchtet Delli Castelli. Der DFB-Präsident zeigt an diesem Sonntagnachmittag Flagge, nimmt sich Zeit für Gespräche und versucht, den Vereinsvertretern Mut zu machen. Die wiederum haben ein minutiös geplantes Programm organisiert, mit einer Bustour zu den Sportstätten des Clubs, Begegnungen mit Kindern und Jugendlichen sowie einer Präsentation im Sportlerheim bei Schnittchen, Kaffee und Kuchen.

Der DFB-Präsident staunt und lobt das Engagement der Verantwortlichen. Auch wenn Grindel erwartungsgemäß keinen Scheck mitgebracht hat - Delli-Castelli ist dankbar und auch ein wenig stolz, dass der Termin zustande gekommen ist. Einmal mehr wird deutlich: Sport verbindet. "Was Schöneres, als Fußball zu spielen, gibt es nicht", erklärt Grindel abschließend. Das gilt natürlich auch für Menschen mit Behinderung. Doch wie steht der DFB-Präsident generell zum Thema Inklusion? "Wir unterstützen Inklusion, denn Fußball hilft dabei, auf natürliche Weise Menschen mit Behinderung zu stärken", so Grindel gegenüber der Infobrief-Redaktion. Und Delli Castelli wünscht sich, dass die Zusammenarbeit zwischen der Lebenshilfe und dem FC Schöffengrund noch lange weitergeht: "Ich hoffe, dass wir in Zukunft noch in vielen sozialen Projekten zusammenarbeiten. Der Besuch von Reinhard Grindel hat Mut gemacht, weiter für den Jugendfußball bei uns zu kämpfen."